Trutzburg "Bockfrühschoppen" steht Die 121. Auflage der Männersitzung
feierte am Montag eine gelungene Premiere in der Elzhalle / Rituale,
Bewährtes, neue Gesichter.
EMMENDINGEN. Die närrische Betreuung" des starken Geschlechts
durch die EFG hat ihren speziellen Reiz und Charakter bewiesen. "Mir
sin wider do" lautete das Motto des Bockfrühschoppens am Montag
der Elzhalle Wasser. Über 400 Besucher empfanden die Elzhalle als
"männliche Trutzburg".
Musikalisch begleitet wurde das mehr als fünfstündige
Marathonereignis von der Winzerkapelle Köndringen unter Leitung
von Joachim Volk. Als "Dregg-Sagg" war Horst G. Bürklin für
viele der Höhepunkt dieses 121. Bockfrühschoppens. Der
EFG-Vize, jüngst sogar zu Fernsehehren gekommen, entfachte als
prolliger Deutschtürke Bülent Ceylan Lachstürme und riss
die Menschen von den Sitzen. Seine Kommentare zur großen Politik
oder die kleinen Bissigkeiten, mit denen er das "herzliche
Verhältnis" zwischen Emmendingen und Teningen auf die Schippe
nahm, waren treffend und einfach grandios. Selbstverständlich
unternahm Horst G. Bürklin auch deftige verbale Ausflüge
unter die Gürtellinie, die die Mannsbildern mit einem
herzzerreißendem "Uuiuuiuuu" quittierten.
Auftakt war traditionell mit dem Einmarsch von Emmendinger
Fasnetszünften. Nach dem geschliffenen Prolog von
EFG-Präsident Gerhard Bürklin – das Thema Guttenberg fehlte
wirkten das gemeinsam gesungene Fasnachtlied und der Auftritt der
Hachberger Herolde erwärmend. Perfekt und anmutig die
Aufführung der Blau-Weiß Gardetänzerinnen unter Leitung
von Anja Bogen.
Dann hatte Jörg Burghardt als "Hausmeister Bolle aus Windenreute"
die Bühne. Er erklärte die Bockfrühschoppenbrüder
in der Wassermer Elzhalle zu "Wassermännern". Flinke Wortspiele,
alte und neue Gags, vermischt, mit allerlei Zaubertricks ließen
die Stimmung einen ersten Höhepunkt erreichen. Mit stehendem
Beifall verabschiedeten ihn die Zuhörer. Ein anrührender
Moment folgte: Teilweise hochbetagte Ehrenelferräte, die
Jahrzehnte des Emmendinger Karnevals und der Fasnet geprägt
hatten, betraten die Bühne und erhielten viel Beifall.
Rabenschwarzen Humor bewies Clemens Allweyer, der als "lebensfroher
Renter" beim Bockfrühschoppen Premiere feierte. Er verkündete
viele Neuigkeiten aus der Kreisstadt. Beispielsweise werde Emmendingen
Hochschulstandort für Humanurologie. Er empfahl den Anwesenden,
weiter kräftig Bockbier zu trinken, schließlich muss die
Rentenkasse entlastet werden. Dass es an Nachschub nicht mangelte,
bewirkten die "Bier-Bienen". Diese wurden, damit sie keine
"männlichen Geheimnisse" verraten, auf der Bühne vereidigt –
ein Ritual dieser Veranstaltung.
Geheimnisse, die er auf der Massagebank erfuhr, plauderte Axel Hepp
aus. Mancher Stadtrat kam nicht ungeknetet davon – doch offenbar haben
helfende Hände heilsame Wirkung.
Als "Jupp aus dem Rheinland" berichtete der Wahl-Riddemer Frank Jansen
von seinen Schwierigkeiten mit den Badenern und dem Badischen – eine
sympathische Premiere beim Bockfrühschoppen. Wie gewohnt
quietschfidel eroberte dann die Teninger Schapfeclique die Halle und
die Bühne im Sturm.
Die Pause sorgte für frische Luftzufuhr und Abkühlung, ehe –
ein weiterer Neuling in der Bütt – Frank Eschbach als "Besucher
aus Holland" den Bockfrühschoppen ins 21. Jahrhundert
katapultierte. Herrlich persiflierte er den arroganten Bayern-Trainer
Luis van Gaal und übertrug dessen Grundhaltung – "wir sind die
Besten" – auf Emmendingen. OB Stefan Schlatterer hatte auf dem
heißen Stuhl des orangenen Holländers sehr zu leiden und
lächelte stellenweise eher gequält. Als "Dutch Partyking"
erzielte er ein zwiespältiges Echo: Junge tanzten auf den
Stühlen, Ältere riefen "Ausmarsch".
"Breisgau-Bariton" Horst G. Bürklin animierte schließlich
zum Mitsingen: Die "lustige Seefahrt" und die Emmendinger Strophen des
Badnerlieds erklangen stimmgewaltig.
EFG-Bott Gerhard Bürklin verkündete Neuigkeiten und
Weisheiten. Deutlich deftiger als in den vergangenen Jahren war sein
Auftritt, begleitet vom tosenden Beifall der inzwischen auf
Betriebstemperatur gekommen Gesellschaft. Manche "Bekannt-Machung" ist
allerdings an dieser Stelle nicht druckreif.
Als "ernster Festredner" bewies Peter van der Kleij ein allerletztes
Mal seine Fähigkeiten als fasnächtliches Multitalent. Seine
Schauspielkunst, verbunden mit lokalen Geschichten und Erlebnisse aus
seinem FKK-Urlaub, kamen wie immer bestens an. Mit diesem Finale ist
eine Epoche holländisch-Emmendinger Karnevalsgeschichte zu Ende
gegangen – für immer?
Beim Jazzdance der Happy Dance Group unter Leitung von Claudia
Böcherer und Nadine Nebinger bekamen viele Männer
glänzende Augen. Dies war auch bereits beim wagemutigen
"Tittli-Tanz" im Stile von "Sister Act" der Bäägle-Hexen
unter Leitung von Andrea Schlenk so gewesen. Dann noch einmal Jubel und
Riesenbeifall beim großen Finale mit allen Mitwirkenden auf der
Bühne der schön geschmückten Elzhalle. Die Veranstaltung
hat durch die einjährige Unterbrechung nicht gelitten, neue
Gesichter hatten sich auf die Bühne getraut und versprechen viel:
Bis nächstes Jahr!.