121. EFG Bockfrühschoppen
am 07. März 2011 in der Elzhalle Wasser














Badische Zeitung vom 08.03.2011

Trutzburg "Bockfrühschoppen" steht

Die 121. Auflage der Männersitzung feierte am Montag eine gelungene Premiere in der Elzhalle / Rituale, Bewährtes, neue Gesichter.

EMMENDINGEN. Die närrische Betreuung" des starken Geschlechts durch die EFG hat ihren speziellen Reiz und Charakter bewiesen. "Mir sin wider do" lautete das Motto des Bockfrühschoppens am Montag der Elzhalle Wasser. Über 400 Besucher empfanden die Elzhalle als "männliche Trutzburg".
Musikalisch begleitet wurde das mehr als fünfstündige Marathonereignis von der Winzerkapelle Köndringen unter Leitung von Joachim Volk. Als "Dregg-Sagg" war Horst G. Bürklin für viele der Höhepunkt dieses 121. Bockfrühschoppens. Der EFG-Vize, jüngst sogar zu Fernsehehren gekommen, entfachte als prolliger Deutschtürke Bülent Ceylan Lachstürme und riss die Menschen von den Sitzen. Seine Kommentare zur großen Politik oder die kleinen Bissigkeiten, mit denen er das "herzliche Verhältnis" zwischen Emmendingen und Teningen auf die Schippe nahm, waren treffend und einfach grandios. Selbstverständlich unternahm Horst G. Bürklin auch deftige verbale Ausflüge unter die Gürtellinie, die die Mannsbildern mit einem herzzerreißendem "Uuiuuiuuu" quittierten.

Auftakt war traditionell mit dem Einmarsch von Emmendinger Fasnetszünften. Nach dem geschliffenen Prolog von EFG-Präsident Gerhard Bürklin – das Thema Guttenberg fehlte wirkten das gemeinsam gesungene Fasnachtlied und der Auftritt der Hachberger Herolde erwärmend. Perfekt und anmutig die Aufführung der Blau-Weiß Gardetänzerinnen unter Leitung von Anja Bogen.

Dann hatte Jörg Burghardt als "Hausmeister Bolle aus Windenreute" die Bühne. Er erklärte die Bockfrühschoppenbrüder in der Wassermer Elzhalle zu "Wassermännern". Flinke Wortspiele, alte und neue Gags, vermischt, mit allerlei Zaubertricks ließen die Stimmung einen ersten Höhepunkt erreichen. Mit stehendem Beifall verabschiedeten ihn die Zuhörer. Ein anrührender Moment folgte: Teilweise hochbetagte Ehrenelferräte, die Jahrzehnte des Emmendinger Karnevals und der Fasnet geprägt hatten, betraten die Bühne und erhielten viel Beifall.

Rabenschwarzen Humor bewies Clemens Allweyer, der als "lebensfroher Renter" beim Bockfrühschoppen Premiere feierte. Er verkündete viele Neuigkeiten aus der Kreisstadt. Beispielsweise werde Emmendingen Hochschulstandort für Humanurologie. Er empfahl den Anwesenden, weiter kräftig Bockbier zu trinken, schließlich muss die Rentenkasse entlastet werden. Dass es an Nachschub nicht mangelte, bewirkten die "Bier-Bienen". Diese wurden, damit sie keine "männlichen Geheimnisse" verraten, auf der Bühne vereidigt – ein Ritual dieser Veranstaltung.

Geheimnisse, die er auf der Massagebank erfuhr, plauderte Axel Hepp aus. Mancher Stadtrat kam nicht ungeknetet davon – doch offenbar haben helfende Hände heilsame Wirkung.

Als "Jupp aus dem Rheinland" berichtete der Wahl-Riddemer Frank Jansen von seinen Schwierigkeiten mit den Badenern und dem Badischen – eine sympathische Premiere beim Bockfrühschoppen. Wie gewohnt quietschfidel eroberte dann die Teninger Schapfeclique die Halle und die Bühne im Sturm.

Die Pause sorgte für frische Luftzufuhr und Abkühlung, ehe – ein weiterer Neuling in der Bütt – Frank Eschbach als "Besucher aus Holland" den Bockfrühschoppen ins 21. Jahrhundert katapultierte. Herrlich persiflierte er den arroganten Bayern-Trainer Luis van Gaal und übertrug dessen Grundhaltung – "wir sind die Besten" – auf Emmendingen. OB Stefan Schlatterer hatte auf dem heißen Stuhl des orangenen Holländers sehr zu leiden und lächelte stellenweise eher gequält. Als "Dutch Partyking" erzielte er ein zwiespältiges Echo: Junge tanzten auf den Stühlen, Ältere riefen "Ausmarsch".

"Breisgau-Bariton" Horst G. Bürklin animierte schließlich zum Mitsingen: Die "lustige Seefahrt" und die Emmendinger Strophen des Badnerlieds erklangen stimmgewaltig.

EFG-Bott Gerhard Bürklin verkündete Neuigkeiten und Weisheiten. Deutlich deftiger als in den vergangenen Jahren war sein Auftritt, begleitet vom tosenden Beifall der inzwischen auf Betriebstemperatur gekommen Gesellschaft. Manche "Bekannt-Machung" ist allerdings an dieser Stelle nicht druckreif.

Als "ernster Festredner" bewies Peter van der Kleij ein allerletztes Mal seine Fähigkeiten als fasnächtliches Multitalent. Seine Schauspielkunst, verbunden mit lokalen Geschichten und Erlebnisse aus seinem FKK-Urlaub, kamen wie immer bestens an. Mit diesem Finale ist eine Epoche holländisch-Emmendinger Karnevalsgeschichte zu Ende gegangen – für immer?

Beim Jazzdance der Happy Dance Group unter Leitung von Claudia Böcherer und Nadine Nebinger bekamen viele Männer glänzende Augen. Dies war auch bereits beim wagemutigen "Tittli-Tanz" im Stile von "Sister Act" der Bäägle-Hexen unter Leitung von Andrea Schlenk so gewesen. Dann noch einmal Jubel und Riesenbeifall beim großen Finale mit allen Mitwirkenden auf der Bühne der schön geschmückten Elzhalle. Die Veranstaltung hat durch die einjährige Unterbrechung nicht gelitten, neue Gesichter hatten sich auf die Bühne getraut und versprechen viel: Bis nächstes Jahr!.


Musikverein Winzerkapelle Köndringen e.V.  -  IMPRESSUM