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Badische
Zeitung vom 28.02.2011
Jedem seinen
eigenen Lidl-Markt
Die
Zwistigkeiten zwischen Emmendingen und Teningen waren ein gefundenes
Futter für die Büttenredner beim 121. Kappenabend.
EMMENDINGEN. Ausgelassene
Fröhlichkeit, Jubel und Trubel gab es bei der 121. Prunksitzung
des Elferrats Blau-Weiss, die pünktlich um 20.11 Uhr begann und
für Stunden gelungene Unterhaltung bot. Sogar Joe Cocker, Udo
Lindenberg, Hans Albers und Tina Turner traten auf. In der
ausverkauften Elzhalle johlten die Zuschauer. Die bekannten Sänger
entpuppten sich als Michael Bach, er ist ein Meister der Parodie.
Ein fulminantes
Programm mit talentierten Büttenrednern, tollen Showeinlagen, Tanz
und schrägen Gesängen begeistert das bunt kostümierte
Publikum. Gerhard Oswald führt als nörgelnder
Nachtwächter Grafmüller locker und gekonnt durch den
närrischen Abend. Gute Akustik, die alle bei Laune hält – all
das waren die besten Voraussetzungen für einen gelungenen
Kappenabend. Leckere Erdbeeren klatschen begeistert im Takt mit
süßen Bienen, Teufeln und Engelchen. Trachtenbuben,
Klosterbrüder und griechische Götter schunkeln begeistert zur
Musik.
Mit kunstvoll
geschminktem Schmollmund zwischen Bartstoppeln hopsen und torkeln neun
leibhaftige Stadträte hüftschwingend zur Musik von Big
Spender und schwitzen um die Gunst des Publikums, das sich
prächtig amüsiert. Für Tella Saar war es wohl keine
leichte Aufgabe, alle choreographisch in ein kollektives Verhalten zu
bringen. Das Publikum lacht Tränen, klatscht und gröhlt, dass
man sich kurzzeitig in den Fanblock eines Fußballstadiums
versetzt fühlt.

Zum Projekt
"Teningen 21 Plus" erläutert das Duo Hartmut Mössner und
Werner Froß ihre Idee: Der Bahnhof bleibt oberirdisch, das ganze
Dort kommt unter die Erde. Aus der Allmend ragen in Zukunft nur noch
drei Gebäude: Der Bahnhof, der Lidl-Markt und die Kläranlage.
Denn "Auf Teningen war schon immer geschissen!" Sicherheitshalber
stimmten sie aber schnell einen Reim zur Versöhnung an. "Teningen
und Emmendingen sind gemeinsam jetzt erstarkt: jeder hat jetzt seinen
eignen Lidl-Markt".

Emmendingen
ist seniorenfreundlich meint der Herr Staatsanwalt
Amüsantes hat auch
der schwatzhafte "Fischkopp", Helga Siebert aus Hamburg zu
erzählen. Sie verstand es, die Lachmuskeln ordentlich zu
strapazieren als sie Joopi gekonnt persifliert oder die
Blutdruckmessung am eigenen Leib vorführt: "Das ist der Sex des
Alters".
Pfiffig präsentiert
Staatsanwalt Clemens Allweyer als "Rentner" seine Weisheiten und lobt:
"Emmendingen isch sehr seniorenfreundlich wegen der kurzen Wege. Nur e
kleins Beispiel: Seniorewohnanlage Gartestroß, Kreiskrankehus,
Bestattungsinstitut Sigwarth, Friedhof". Emmendingen vielleicht bald
Hochschulstadt? "Damit nicht genug. OB Schlatterer und Kulturamtschef
Jenne plane schon den nägschten Coup. Sie hän e Antrag bei
der Uncesco eingereicht, dass der Markgrafenschloss mit dem
Lenzhüsli Weltkulturerbe werde solle. Insbesondere
s’Lenzhüsli wäre ein absolutes Novum, s’erschte
Weltkulturschisshüsle".
Uli
von der Horst spart auch die Politik nicht aus
Uli von der Horst, der
wieder als Büttenkanone fasziniert, spart die Politik nicht aus:
"Ich kann ein Lied davon schon singen als Bürger hier in
Emmendingen ob Schlatterer, ob Hagenacker ein jeder gab den
großen Macker der eine auf den andren haut der hat mein
Schäufelchen geklaut. Ihr macht euch zu Polit-Eunuchen müsst
einen neuen Job euch suchen. Wenn abgelaufen Eure Zeit sieht man Euch
beide Seit an Seit zu neuer Blüte dann erstarkt als Kassenmann im
Penny-Markt." Ihm gehört der Löwenanteil an
pointenträchtigen Reimen. "Der von der Horst, vereint mit Saar als
ideales Fernsehpaar, da wird dem ZDF geboten ein Traumzuwachs an
Einschaltquoten mit Jo und mir als Fernsehspaß, ich kann nur
sagen, wetten dass!"
Die Winzerkapelle
Köndringen mit ihrem Dirigenten Joachim Volk sorgte für ein
schwungvolles musikalisches Begleitprogramm. "Cowboy und Indianer",
"Narhalla-Marsch", "El Cumbachero" und natürlich mit dem immer
wieder kehrenden obligatorischen Tusch.
Lokalmatador Jörg
Burghardt präsentiert "Bauer Willi". Der altkluge Landwirt
sonderte Weisheiten ab wie "Sind die Hühner platt wie Teller, war
der Traktor wieder schneller." Oder: "Partnerschaft bedeutet nicht,
dass der Partner schafft." Oder: "Geld leiht man sich immer von
Pessimisten, denn die erwarten es nicht zurück.". Stolz
präsentierte er vier 250 Euro-Scheine, die er im Tausch für
einen tausend Euro-Schein bei der Ostfriesenbank bekommt hat. Peter
Weiß, Bundestagsabgeordneter der CDU war sein gutgelauntes und
williges Opfer. Zur Belustigung aller wurde er von Burghardt auf die
Bühne gebeten, musste Brillen testen und Schießübungen
absolvieren.
Vier Stunden lang
großartige Stimmung riss das Publikum von den Stühlen.
Dennoch liegt ein großer Wermutstropfen auf der Veranstaltung: Jo
Saar, Uli von der Horst und Peer Roggendorf kündigten ihren
Abschied an.

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