119. Blau-Weiss-Kappenabend
am 27. Februar 2011 in der Elzhalle in Emmendingen-Wasser




















Badische Zeitung vom 28.02.2011

Jedem seinen eigenen Lidl-Markt

Die Zwistigkeiten zwischen Emmendingen und Teningen waren ein gefundenes Futter für die Büttenredner beim 121. Kappenabend.

EMMENDINGEN. Ausgelassene Fröhlichkeit, Jubel und Trubel gab es bei der 121. Prunksitzung des Elferrats Blau-Weiss, die pünktlich um 20.11 Uhr begann und für Stunden gelungene Unterhaltung bot. Sogar Joe Cocker, Udo Lindenberg, Hans Albers und Tina Turner traten auf. In der ausverkauften Elzhalle johlten die Zuschauer. Die bekannten Sänger entpuppten sich als Michael Bach, er ist ein Meister der Parodie.

Ein fulminantes Programm mit talentierten Büttenrednern, tollen Showeinlagen, Tanz und schrägen Gesängen begeistert das bunt kostümierte Publikum. Gerhard Oswald führt als nörgelnder Nachtwächter Grafmüller locker und gekonnt durch den närrischen Abend. Gute Akustik, die alle bei Laune hält – all das waren die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Kappenabend. Leckere Erdbeeren klatschen begeistert im Takt mit süßen Bienen, Teufeln und Engelchen. Trachtenbuben, Klosterbrüder und griechische Götter schunkeln begeistert zur Musik.

Mit kunstvoll geschminktem Schmollmund zwischen Bartstoppeln hopsen und torkeln neun leibhaftige Stadträte hüftschwingend zur Musik von Big Spender und schwitzen um die Gunst des Publikums, das sich prächtig amüsiert. Für Tella Saar war es wohl keine leichte Aufgabe, alle choreographisch in ein kollektives Verhalten zu bringen. Das Publikum lacht Tränen, klatscht und gröhlt, dass man sich kurzzeitig in den Fanblock eines Fußballstadiums versetzt fühlt.



Zum Projekt "Teningen 21 Plus" erläutert das Duo Hartmut Mössner und Werner Froß ihre Idee: Der Bahnhof bleibt oberirdisch, das ganze Dort kommt unter die Erde. Aus der Allmend ragen in Zukunft nur noch drei Gebäude: Der Bahnhof, der Lidl-Markt und die Kläranlage. Denn "Auf Teningen war schon immer geschissen!" Sicherheitshalber stimmten sie aber schnell einen Reim zur Versöhnung an. "Teningen und Emmendingen sind gemeinsam jetzt erstarkt: jeder hat jetzt seinen eignen Lidl-Markt".



Emmendingen ist seniorenfreundlich meint der Herr Staatsanwalt

Amüsantes hat auch der schwatzhafte "Fischkopp", Helga Siebert aus Hamburg zu erzählen. Sie verstand es, die Lachmuskeln ordentlich zu strapazieren als sie Joopi gekonnt persifliert oder die Blutdruckmessung am eigenen Leib vorführt: "Das ist der Sex des Alters".

Pfiffig präsentiert Staatsanwalt Clemens Allweyer als "Rentner" seine Weisheiten und lobt: "Emmendingen isch sehr seniorenfreundlich wegen der kurzen Wege. Nur e kleins Beispiel: Seniorewohnanlage Gartestroß, Kreiskrankehus, Bestattungsinstitut Sigwarth, Friedhof". Emmendingen vielleicht bald Hochschulstadt? "Damit nicht genug. OB Schlatterer und Kulturamtschef Jenne plane schon den nägschten Coup. Sie hän e Antrag bei der Uncesco eingereicht, dass der Markgrafenschloss mit dem Lenzhüsli Weltkulturerbe werde solle. Insbesondere s’Lenzhüsli wäre ein absolutes Novum, s’erschte Weltkulturschisshüsle".

Uli von der Horst spart auch die Politik nicht aus

Uli von der Horst, der wieder als Büttenkanone fasziniert, spart die Politik nicht aus: "Ich kann ein Lied davon schon singen als Bürger hier in Emmendingen ob Schlatterer, ob Hagenacker ein jeder gab den großen Macker der eine auf den andren haut der hat mein Schäufelchen geklaut. Ihr macht euch zu Polit-Eunuchen müsst einen neuen Job euch suchen. Wenn abgelaufen Eure Zeit sieht man Euch beide Seit an Seit zu neuer Blüte dann erstarkt als Kassenmann im Penny-Markt." Ihm gehört der Löwenanteil an pointenträchtigen Reimen. "Der von der Horst, vereint mit Saar als ideales Fernsehpaar, da wird dem ZDF geboten ein Traumzuwachs an Einschaltquoten mit Jo und mir als Fernsehspaß, ich kann nur sagen, wetten dass!"

Die Winzerkapelle Köndringen mit ihrem Dirigenten Joachim Volk sorgte für ein schwungvolles musikalisches Begleitprogramm. "Cowboy und Indianer", "Narhalla-Marsch", "El Cumbachero" und natürlich mit dem immer wieder kehrenden obligatorischen Tusch.

Lokalmatador Jörg Burghardt präsentiert "Bauer Willi". Der altkluge Landwirt sonderte Weisheiten ab wie "Sind die Hühner platt wie Teller, war der Traktor wieder schneller." Oder: "Partnerschaft bedeutet nicht, dass der Partner schafft." Oder: "Geld leiht man sich immer von Pessimisten, denn die erwarten es nicht zurück.". Stolz präsentierte er vier 250 Euro-Scheine, die er im Tausch für einen tausend Euro-Schein bei der Ostfriesenbank bekommt hat. Peter Weiß, Bundestagsabgeordneter der CDU war sein gutgelauntes und williges Opfer. Zur Belustigung aller wurde er von Burghardt auf die Bühne gebeten, musste Brillen testen und Schießübungen absolvieren.

Vier Stunden lang großartige Stimmung riss das Publikum von den Stühlen. Dennoch liegt ein großer Wermutstropfen auf der Veranstaltung: Jo Saar, Uli von der Horst und Peer Roggendorf kündigten ihren Abschied an.




Musikverein Winzerkapelle Köndringen e.V.  -  IMPRESSUM